Macht der Perspektive VI: Jeder erfolgreiche Mensch kennt diesen Effekt!

Aktualisiert: 25. Okt.

Der Pygmalion-Effekt oder auch Rosenthal-Effekt zeigt uns die Wechselwirkung der Perspektive zwischen uns und unserer Umwelt auf. Unsere Perspektive wird durch unsere Umwelt geprägt, aber genauso nehmen wir durch unsere Perspektive Einfluss auf unsere Umwelt.



Schön, dass du wieder da bist zu einem weiteren Beitrag von "Die Macht der Perspektive". Da die Beiträge aufeinander aufbauen, fang am besten vorne an:


Die Macht der Perspektive Teil I: Deshalb lebst du in einer Höhle


In den bisherigen Beiträgen ging es vor allem darum, was unsere Perspektive mit uns macht.

Aber auch anders herum gibt es Auswirkungen: Anhand des sog. Pygmalion-Effekts wird deutlich, wie wir durch unsere Perspektive direkten Einfluss auf unsere Umwelt nehmen.


Das als Pygmalion-Effekt benannte Experiment von Robert Rosenthal und Lenore F. Jacobson bestätigte, dass wir durch unsere Annahmen, unsere Perspektive unsere Realität beeinflussen.

Vom Prinzip her passiert dabei Folgendes: Sagen wir, ein Lehrer bekommt zwei neue Schüler. Der eine, nennen wir ihn den Faulen, obwohl er gar nicht faul ist, erinnert den Lehrer aber an einen richtig faulen Schüler aus der Vergangenheit.

Der andere neue Schüler erinnert den Lehrer an den besten Schüler, den er jemals unterrichtet hat – der Fleißige. Der Lehrer hat also bereits eine Perspektive auf unf Vorurteile über diese beiden neuen Schüler.


Die Perspektive des Lehrers beeinflusst vom ersten Tag an, wie er mit den beiden neuen Schülern umgeht und auf ihr Verhalten reagiert. Der Fleißige hat seine Hausaufgaben nicht gemacht? "Das passiert jedem mal."

Der Faule hat seine Hausaufgaben nicht gemacht? "Von dir hat sich ohnehin nichts anderes erwartet."

Der Fleißige löst eine schwierige Aufgabe: "Du hast du es einfach drauf, ich wusste von Anfang an, dass du das schaffst."

Der Faule löst eine schwierige Aufgabe: "Hat dir dabei jemand geholfen?"

Beeinflusst durch seine Perspektive wird der Lehrer gegenüber den Schülern unterschiedlich handeln und dadurch die Schüler beeinflussen.

Mit der Zeit wird der fleißige Schüler durch die Ermutigung mehr und mehr glauben, dass er besonders gut ist und dadurch wird sich seine Leistung tatsächlich verbessern. Der faule Schüler macht die gegenteilige Erfahrung. Er traut sich weniger zu, scheitert häufiger, seine Leistungen verschlechtern sich. Am Ende des Schuljahres wird der Lehrer recht behalten. Der fleißige Schüler ist überdurchschnittlich in seinen Leistungen, der Faule liegt unter dem Klassendurchschnitt.

Seine Perspektive wird bestätigt - oder hat er selbst seine Perspektive bestätigt?


Der Pygmalion-Effekt beschreibt eine Wechselwirkung zwischen unseren Erwartungshaltungen und unserer Umwelt. Einen Kreislauf, bei dem unsere Erwartungshaltung zu Handlungen führt, durch die wir unsere Umwelt beeinflussen, sodass unsere Erwartungen bestätigt werden – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.


Das Rosenthal-Experiment wurde in abgewandelter Form auch mit Ratten durchgeführt und hat sogar da funktioniert: Eine Studentengruppe, der man zuvor erzählt hatte, dass ihre Ratten besonders intelligent sind, waren beim Training der Ratten wesentlich erfolgreicher als eine andere Gruppe, der man am Anfang erklärt hatte, dass sie die dümmsten Raten überhaupt trainieren sollten.

Die Ergebnisse dieser Pygmalion-Experimente zeigen: Durch unsere Perspektive verändern wir unsere Umwelt, das, was wir als Realität, als wahr empfinden. Und das wirft unweigerlich die Frage auf: Wenn wir durch unsere Perspektive alles um uns herum beeinflussen, wie können wir dann wissen, was tatsächlich wahr und real ist und noch viel spannender, was wäre, wenn es uns gelingen würde, unsere Erwartungshaltung so zu verändern, dass dadurch unsere Realität in genau die Richtung beeinflusst wird, die für uns gut und erstrebenswert ist?